| Jörg Ehrnsberger: Bankräubergeschichten - Erzählung |
Leseprobe/Einzelbände |
|
(...)
Diese kleine
Erinnerungsschleife lief auf endlos Wiederholung geschaltet durch meinen
Kopf, während ich zu Hause saß und meine Coladose mit den erwähnten
Dingen füllte. Mittlerweile war mir klar, wie ich die Belegschaft der
Deutschen Bank erfreuen würde. Ich würde wie immer in das Gebäude der
Deutschen Bank joggen, fröhlich grüßen und auf meinem Weg durch das Gebäude
die Alarmanlage stillegen. Denn das ist wesentlich einfacher, als die
meisten Leute annehmen. Zu oft bewirkt nur der Glaube an die Sicherheit,
daß keiner auf die Idee kommt, wirklich mal etwas auszuprobieren. Der in
der Regel auftretende Gedanke ist: „Kannste vergessen. Die haben doch
die und die Sicherheitsanlage, die ist so sicher, das weiß doch jeder.“
Dem
wage ich entgegenzusetzen, daß der Verfassungsschutz auch an die absolute
Sicherheit seiner homepage geglaubt hat; — bis ein Hacker sich die Mühe
und den Spaß machte, diese Seiten kurzfristig umzugestalten. Und der hat
es auch nur geschafft, weil er es probiert hat.
Als
ich das erste mal über meinen Bankbesuch nachdachte, konnte ich mich
nicht so recht entscheiden, wie die Deutsche Bank von ihrer schweren Last
zu befreien sei. Einer meiner ersten Gedanken war, mich einfach in das
Netz der Bank einzuhängen und genügend Geld auf mein Konto zu überweisen.
Diesen Plan verwarf ich schnell wieder. Er erschien mir zu einfach und
langweilig. Statt dessen, davon war ich mittlerweile überzeugt, sollten
die ganzen Finanzberater, die sonst die Bittsteller über den Gold ihre
Designerbrille hinweg abblitzen lassen, direkt an dem Spaß beteiligt
sein. Sollten auch mal vor jemandem sitzen und zittern, nicht immer nur
ihre Bittsteller vor ihnen. Gleiches Recht für alle.
Ein
anderer Plan sah vor, durch das Kanalsystem zum Tresor vorzustoßen und
diesen im Keller zu knacken. Schied aber aus, wegen zu geringem Spaßfaktor.
Oder sollte ich das Geld gleich bei seiner Ankunft in Empfang nehmen. Oder
beim Abtransport? Zu gewöhnlich. Sollte ich den Bankchef entführen und Lösegeld fordern? Dieser Plan schied aus, da mir nicht sicher schien, daß den Bankchef wirklich jemand zurück haben wollte. Außerdem hätte ich mir dann tagelang sein Geschwafel anhören müssen. Darüber hinaus kann eine Entführung bei einem Bankchef psychische Schwachstellen aufdecken. Und wer will schon, daß sich ein Bankchef bei der nächsten Waffenschieberei verkalkuliert? Von solchen Entscheidungen hängen ganze Staatshaushalte ab! Deshalb entschied ich mich für die gute alte Methode: Rein in die Bank, Geld her und raus. (...)
Das ganze Heft gibt's im Shop
|