SUBH-Taschenpoetry Band 5-8

Leseproben Gedichtbände

 

Die Mutter Gottes erscheint in Marpingen

 

Daß nie ein Packesel zur Stelle, den Motor an, den

Streckenplan ins Hirn gebrannt, kein Bruchpilot, ein Held

eine Stelle im Sand markiert, mitgebracht vom letzten

Urlaub am Mittelmeer – irgendwo am Mittelmeer, Mondmeer

den Wind, den man mitgebracht hatte, die Sonne im Herzen;

Fahrten wie diese eine, einmal quer durch Europa und

Gott sitzt auf der Landkarte und versperrt den Weg, bleibt

Platz für halluzinogene Drogen oder abgefahrene Rituale:

die Mutter Gottes erscheint in Marpingen und manchmal

auch in Lourdes, Treffen mit einigen anderen, in ähnlichen

Positionen, vielleicht doch keine so wie die Mutter – sie spielt

mit Kindern und heilt Menschen, ihr Atem trocknet den

Schweiß

der Verdammten, ihr Mut hilft LKW-Fahrern über die Berge

und Fischer beim Netze einholen; ihre Liebe segnet die

Landschaften mit Barmherzigkeit und die Menschen

mit Selbstmitleid; eine Mutter, war da Sehnsucht?

War es ein Stand- oder ein Testbild?

 

aus: Johannes Finke - Hardcore Engel, ISBN 3-934896-15-4

 

 

 

Seuche

 

Hängt Micky Maus am Weihnachtsbaum auf!

Stampft die Buchstaben aus den Büchern!

Ersäuft den Flaschengeist in seinem Blut!

 

Bringt euch vor der Rotte der geifernden Hunde

In Sicherheit! Versteckt euch nicht länger in den Kuhlen

Der Selbstzufriedenheit! Die Meute will euch

Mit Haut & Haar, sie will euch zerfleischen, zerfetzen und

An McDonalds verfüttern

 

Warum müssen wir eigentlich

An jedem Tage so unendlich viel Kraft aufwenden,

Um uns gegen die Schlammflut zu wehren,

Mit der sie unsere Gehirnlandschaften in bodenlosen

Sumpf verwandeln wollen ? Was haben wir

Von all dem Müll, den wir mit gierigglänzenden Augen

An den Kiosken, in den stickigen Kaufhöfen bewundern?

Hat euch die Seuche befallen?

 

Falln euch die Glieder schon ab, die Gesichtshaut

Ein einziger Parkplatz für Pusteln und Eiterpickel?

Zieht durch eure Adern das mörderische,

Falschzüngige, feiste, „I love you“ -Virus,

Tod aller wahren Gefühle ?

Wer schleicht da in euer Herz mit giftmodrigen Pilzen,

Auf daß sie Kolonien der Ausbeutung guter Absichten bilden?

An eurem Himmel nichts als dumpfe Wolken

Des Grolls, habt ihr keine Sender mehr,

Die Sterne im Jenseits der ausrechenbaren Geilheit

Mit eurem heiligen Licht zu versehen ?

 

Haut die lügenhaften Literaturen in die Pfanne!

Macht euch frei für das Köpfen der Scheinmusikschlangen!

Stapft nicht zweimal in das selbe widerliche Loch der Angst!

 

Habt ihr überhaupt einen Namen, der es wert ist,

Genannt zu werden vor dem Untersuchungsrichter,

Der mit Gefängnis belohnt all die, die es wagen,

Die Köder der Verdummung auszuspeien?

 

Am Horizont schimmert es schwarz.

 

aus: Hadayatullah Hübsch – SMS an den Underground, ISBN 3-934896-13-8

 

 

Storm und Trank

 

Husum, du „graue Stadt am Meer“,

wie dich Theodor Storm nannte,

(was vom Touristikmanagement

heuer begeistert aufgegriffen wird),

Husum, bist du nicht vielmehr

eine blaue Stadt am Meer -

nicht so blau wie das verseuchte, ölverschmutzte Wasser,

welches an deinen nicht vorhandenen Strande gespült wird,

sondern eher so blau wie Deine Bewohner und

Bewohnerinnen,

die sich täglich und nächtlich betrinken,

um dich irgendwie ertragen zu können

- oder, Husum,

bist du nicht vielmehr eine flaue Stadt am Meer,

nicht so flau, wie die halbwegs steife Brise,

die ständig über dich hinweg weht

und droht deine geduckten Häuschen zu entdächern

sondern eher so flau

wie die Mägen deiner

Bewohner und Bewohnerinnen

nach ihren täglich durchtrunkenen Nächten

- oder, Husum,

bist du ganz einfach nur

eine nasse Stadt am Meer,

so nass wie das blaue Wasser,

dass die flauen Lüfte

ständig über dich herabregnen lassen?

- Husum, hörst du mich?

 

Husum antwortet nicht.

 

aus: Axel Klingenberg – Goethes Faust in die Fresse, ISBN 3-934896-16-2

 

 

 

 

Overkill, Bomber,

air-guitar mit Motörhead:

Sommer der Hiebe.

 

Barclay James Harvest.

Wenn Ohren Polka tanzen,

Mißernte des Rock.

 

Mit drei Zeilen in

die Lyrik-Hitparade –

Rock’n’Roll-Haiku.

 

Was hörst’n du so?

Einklich alles, was grad läuft.

Allein nach Hause.

 

aus: Frank Schäfer – Rock 'n' Roll Haiku, ISBN 3-934896-15-4

Alle acht Bände dieser Reihe gibt's im Shop

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