Die Hobby-Show Leseprobe/Einzelbände
Aus: Die Nackte-Fakten-Show - Stories von Ina Zone

 

"Der Arzt hat mir grünen Wackelpudding in den Kopf gespritzt.”

Aha, noch mehr?!, denke ich bestürzt, und grausame Szenen unzähliger Science-Fiction-Streifen fallen mir ein. Sollten sie, die Aliens, tatsächlich schon unter uns sein und in Gestalt würdevoller Ärzte eine Invasion planen? Oder verwechselt die Dame, die entspannt plaudernd vor mir sitzt und sich den Nacken massieren lässt, vielleicht besagte Götterspeise mit einem hochwirksamen Beruhigungsserum? Gut, manchem Approbierten mag der Ruhm zu Kopf gestiegen sein, aber grünen Wackelpudding in den selben spritzen?

Als eine Art Hohlraumkonservierung, oder was? Gespannt lausche ich den Fortführungen meiner Patientin, die aber erstaunlicherweise gar nicht weiter auf das Thema eingeht, sondern vielmehr über die Schlaflosigkeit ihres Mannes berichtet. „Der guckt jetzt nachts immer Tennis. Da versteht er was von, ja! Da hat er Ahnung von! Der hat mal Tischtennis gespielt, da kennt er sich aus! Da schläft er tagsüber und ich muss immer ganz leise machen. Wie soll ich denn ganz leise staubsaugen, können Sie mir das mal verraten? Mit dem Strohhalm vielleicht? Oder Kuchen backen! Macht doch auch Krach, die Mixerei und alles! Aber er muss ja jeden Tag Selbstgebackenen haben zum Kaffee trinken, Gekauften isst er nicht, der Trottel! Ach, wissen Sie was? Ich werde mich einfach scheiden lassen!”

Ich versuche, meine derart erregte Patientin mit allerlei Floskeln wieder zu beruhigen. „Wird schon wieder”, sage ich und „geht doch auch vorbei, das mit dem Tennis.” Allmählich entspannt sie sich wieder. „Ja, Sie haben ja recht. Eigentlich ist er ja auch ganz süß, wenn er so schnarcht mit offenem Mund.” Kichernd rutscht sie auf ihrem Stuhl herum.

Das muss die wahre Liebe sein, schießt es mir durch den Kopf. Und während ich mit halbem Ohr erfahre, mit welchen Mitteln sie ihrer Verstopfung zu Leibe rückt, beginne ich über mein Liebesleben nachzudenken.

Die Bilanz kann sich sehen lassen. Drei langjährige Beziehungen, inklusive großer Liebe, einen Haufen Affären und einen noch größeren Haufen „Na Baby, zu dir oder zu mir ?” Aber was ist mit jetzt? Finster siehts aus.

Von wegen mit dreißig weiß man, was man will und was nicht! Einen Scheiß weiß man! Immer schwieriger wird es Mr. Right zu finden, weil natürlich mittlerweile die Ansprüche ins Unermessliche gewachsen sind.

Und du denkst noch `Na das isser jetzt aber wirklich', und dann schaltet er plötzlich von cool auf Iglesias, lädt dich zum Candlelightdinner zu sich nach Hause ein und polkt sich anschließend mit der Gabel zwischen den Zehen herum, so dass die ohnehin unzumutbare labbrige Pasta Marke 'Erasco' Deinen Körper sofort wieder verlassen will, und zwar unverdaut.

Ein schnell dahingemurmeltes: „Oh, ich hab vergessen, mein Bügeleisen auszuschalten”, soll dir die Flucht vor diesem Exemplar der Kategorie 'Durchgefallen' erleichtern. Das letzte mal dass du ein Bügeleisen gesehen hast, war vor circa zwölftausend Jahren, als du noch zu Hause bei Mami gewohnt hast. Und Mamis machen seltsame Sachen mit Bügeleisen. Der geliebten 501 eine Bügelfalte verpassen zum Beispiel. Im übrigen trägst du eh nur Original-Polyester aus den 70-ern.

Ja, und dein Hamster, den du natürlich nicht besitzt, muss unbedingt jetzt gefüttert werden. „Du hast einen Hamster ?”, fragt er. „Wie süß! Ich liebe Hamster! Kann ich den mal sehen?” „Nein", sagst du, „das geht nicht. Er hat so eine Art Allergie gegen Fremde. Er kriegt dann Pickel und muss furchtbar husten.” „Schade. Aber vielleicht können wir uns morgen wieder sehen?” „Das geht leider auch nicht", sagst du, schon leicht Panik in der Stimme, ich wandere nämlich morgen nach Timbuktu aus.”

„Aha”, erwidert er resigniert, „da kann man wohl nichts machen.”

„Nein, sieht nicht so aus”, sagst du, schon auf dem Weg zur Wohnungstür.

Und ehe er dich fragen kann, ob er dich mal besuchen darf in Timbuktu, bist du bereits mit einem leise genuschelten „Tschüss, ne!” aus der Tür hinausgeschlüpft.

„Da hat also meine Nachbarin ihren Schlüssel am Briefkasten steckenlassen,” höre ich nun wieder meine Patientin sagen. „Ich wollte ihn ihr natürlich zurückgeben, wozu hat man Nachbarn, nicht wahr! Ich klingele also bei ihr und niemand macht auf. Dabei hab ich doch Musik von drinnen gehört! Na, jedenfalls will ich den Schlüssel durch den Briefschlitz werfen und fass da so in was Weiches, war aber ganz schnell wieder weg. Ob die 'n Hund hat? Sind doch gar nicht erlaubt bei uns im Haus, also ich...”

“Schuldigung, bin gleich wieder da”, unterbreche ich die Dame, verzweifelt um Beherrschung bemüht. Einen Hund! Ich brech zusammen! Ich flitze in unseren Aufenthaltsraum, die Hand auf den Mund gepresst. Dort schmeiße ich mich auf den nächsten freien Stuhl und ein Lachkrampf bahnt sich seinen Weg.

Die verständnislosen Blicke meiner Kollegen zwingen mich zu einer Erklärung.

„Sie hat, sie hat....ahahaha”, ein erneuter Anfall unterbricht mich. „Sie hat was?!", fragt mein Boss ungeduldig. „Sie hat, sie hat...seinen Schwanz in der Hand gehabt!” „Sie hat was?!", fragt er wieder, und wie um meine Erzählung zu beschleunigen schüttelt er nun an meinem Arm herum. Da ich ihn in nächster Zeit sowieso mal um eine Gehaltserhöhung angehen wollte, ziere ich mich nicht lange und beginne also mit der unglaublichen Geschichte. Zufällig kenne ich nämlich die Nachbarin der Patientin und deren männlicher Besuch aus dem sonnigen Kalifornien erzählte mir heute morgen Folgendes. „Stell dir vor, Mann. Gestern nachmittag, ich war gerade aufgestanden, hatte Musik aufgedreht und ein bisschen Pot geraucht, klingelt’s wie wild an der Tür. Jenny war schon weg, arbeiten, und ich war völlig nackt, du verstehst. Ich also zur Tür, gucke durch den Spion, hätte ja sein können es brennt, und seh da so 'ne aufgetakelte alte Lady, die war wohl ein bisschen durch den Wind. Palavert irgendwas in Deutsch, ich versteh natürlich kein verficktes Wort und plötzlich ist sie weg. Ich denk schon 'Mann ich muss mal ein ernstes Wort mit meinem Dealer reden, was hat er mir bloß wieder für genmanipulierten Scheiß angedreht', da fühl ich auf einmal eine Hand an meinem Schwanz. Ich schnell zur Seite gesprungen und die Hand verschwindet wieder durch den Briefschlitz. Jesus, was für ein Trip! Nette kleine Hobbies haben die alten Ladies bei euch in Deutschland, alles was recht ist, Mann! Nette kleine Hobbies!”

Das finden natürlich auch meine Kollegen amüsant bis ich ein ernstes Problem in den Raum stelle. „Ich kann sie nicht weiterbehandeln, Leute. Ich müsste immer dran denken, dass sie seinen Schwanz in der Hand hatte, es geht nicht! Lasst euch was einfallen. Sagt ihr ich sei leider soeben verstorben. Oder besser noch, ich hab Durchfall. Das wird sie verstehen.”

Mit verkniffenem Grinsen erklärt nun also eine meiner Kolleginnen der ahnungslosen Penisgrapscherin mein Fortbleiben, was diese wie erwartet verständnisvoll aufnimmt und sogleich kommentieren muss. „Ja, ich hab's ja auch mit der Verdauung. Nur dass es bei mir gar nicht funktionieren will. Was gäbe ich für ein bisschen Durchfall!” Und mit wehmütigem, etwas neidischem Blick verlässt sie die Praxis.

Aus: Ina Zone: Die Nackte-Fakten-Show

Das ganze Heft gibt's im Shop

nach oben